Natürlich hatten auch Keltinnen ihre Tage. Nun haben wir aber festgestellt (in diesem Blogbeitrag), dass sie, wie Millionen Frauen in ewigen Zeiten, wohl keine Unterhosen trugen. Wie gingen sie also mit ihrem Mondblut um?
Dazu muss man weiter ausholen, um das Thema zu betrachten.
Wir können davon ausgehen, dass die durchschnittliche Keltin wesentlich seltener ihre Tage hatte als moderne Frauen. In Zeiten vor verlässlicher Empfängnisverhütung waren Frauen einen Großteil ihres fruchtbaren Lebens schwanger (auch wenn mehr als die Hälfte ihrer Kinder dann das erste Lebensjahr nicht überlebte). So mochte es vielleicht zwei oder drei Monate im Jahr geben, wo sie ihre Tage hatte. Außerdem gab es oft Phasen von Dürren, Unwettern, Hungersnöten, in denen Frauen so mager wurden (und dennoch schwer arbeiten mussten), dass sie gar keine Tage mehr hatten – das kennt man heute von Spitzensportlerinnen oder Frauen mit Magersucht.
Interessanterweise kann man aber annehmen, dass die Frauen früher, in Zeiten vor elektrischer Beleuchtung, tendenziell rund um den Neumond menstruierten und alle Frauen eines Haushalts gleichzeitig. Dieses Phänomen kann man auch heute noch oft in Studenten-WGs beobachten, dass die Zyklen von Frauen, die eng zusammenleben, sich aneinander anpassen.
Was tat Frau nun während ihrer Tage? In manchen Naturvölkern gibt es nach wie vor die Frauenhütte, in die Frauen sich während ihrer Tage zurückziehen. Es mag nun dahingestellt sein, ob das an ihrer „Unreinheit“ in jener Zeit liegt oder weil sie sich dem „göttlichen Blut“ hingeben. Männer sehen die Tage der Frauen ja immer schon und immer noch mit Misstrauen an und viele der Berichte über Naturvölker sind von Männern verfasst.
Verschiedene Methoden standen und stehen Frauen zur Verfügung, ihr Blut „im Zaum“ zu halten. Sie konnten sich mehrere Lagen Stoffstücke wie einen Lendenschurz umbinden – auch unsere Großeltern kannten noch diese Form der Periodenbinden, die vorne und hinten an einem Gürtel befestigt wurden. Sie konnten auch Stoffstreifen oder Moos wie Tampons verwenden. Ich kannte Frauen, die auch zu Ende des 20. Jahrhunderts noch einfach Watte in ihre Scheide schoben und Stoffstreifen-Tampons sind in der Alternativszene gerade wieder im Kommen. Ich vermute aber, dass Keltinnen auch eine ganz andere Methode verwendeten. Wir sprechen hier von Frauen, die nicht wie wir heute großteils saßen, sondern körperlich sehr aktiv waren. Ihr gesamter Muskeltonus war wohl besser als der der heutigen Durchschnittsfrau, auch ihr Beckenboden. Es ist kein Problem, den Monatsfluss einzuhalten, wie man Urin einhält, und ihn dann wie Urin fließen zu lassen. Zumindest wenn die Periode nicht zu stark ist, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Insofern benötigte die keltische Frau vielleicht gar keine Form von „Monatsprodukten“ oder nur für den Wochenfluss nach der Geburt, wenn der Beckenboden geschwächt ist. Zumindest junge Frauen konnten so ihre Tage steuern, Frauen nach mehreren Geburten vielleicht nicht mehr, falls sie schlecht verheilte tiefe Dammrisse hatten (die damals ja wohl nicht genäht wurden).
Prinzipiell ist die Menstruation ja eine eigenartige Entwicklung der Natur. Es mag ja reinigend für den Körper sein, aber es ist eigentlich evolutionstechnisch widersinnig, dass Frauen jeden Monat wertvolle Mineralstoffe durch eine Blutung verlieren und in Urzeiten (also weit vor Sesshaftigkeit und geschützen Räumen) mit ihrem Blutduft wilde Tiere anlockten. Hündinnen bluten zweimal im Jahr, während ihrer fruchtbaren Tage. Spannend, warum sich das bei Menschen so anders entwickelt hat – falls ein Biologe/Anthropologe/Historiker oder eine Biologin/Anthropologin/Historikerin mir das erklären kann, würde ich mich wirklich freuen!
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Randbemerkung: Ich bin Autorin, keine Historikerin, Archäologin oder Zeitreisende (das wäre spannend ...), ich gebe in meinem Blog einerseits nur meine Meinung weiter und andererseits Wissensbissen, die ich im Zuge meiner Recherchen für meine Keltenromane aus den verschiedensten Quellen zusammengetragen habe. Da ich jemand bin, der sich zwar Informationen und Geschichten merkt, aber nicht wissenschaftlich arbeitet, verzeiht bitte, dass ich (meist) keine Quellenangaben mache, schon gar nicht zu Wissensbissen, die man in vielen Quellen findet.
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Luci (Montag, 24 Februar 2025 17:24)
Hallo!
Ich bin keine Biologin, Historikerin, Anthropologin oder ähnliches. Dennoch möchte ich gerne auf deine Frage am Schluss eingehen: wieso haben wir jedes Monat die Regel?
Meine Theorie ist, dass wir in Familienverbänden leben. Einsame Menschen werden depressiv, weil eine tief sitzende Angst ihnen sagt: du bist ohne Schutz, auf dich allein gestellt, hast niemanden, der dir den Rücken freihält.
Diese Notwendigkeit nach Gesellschaft treibt die Menschen dazu, zusammenzukommen, Gruppen zu bilden, Dörfer zu erbauen. Du hast 100 Menschen um dich, die dich warnen, wenn eine Großkatze auf dich aufmerksam geworden ist, eine ganze Gruppe junger Männer, die epicht darauf sind, den Höhlenbären zu erschlagen. Wir sind Allesfresser, und in einem Dorf kümmern sich alle um die Schwangere. Wir haben früh die Wirkung der Heilkräuter entdeckt, mit denen wir unseren Kranken helfen können. Daher können wir es uns leisten, oft fruchtbar zu sein und empfänglich für potenziellen Nachwuchs :)